Inkontinenz


  Tabuthema Bettnässen    
Tabuthema Bettnässen Die richtige Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Das Bettnässen, die primäre Enuresis nocturna, ist in Deutschland ein weit verbreitetes Problem bei Kindern. Etwa 14 Prozent der Fünfjährigen, zehn Prozent der Siebenjährigen, acht Prozent der Zehnjährigen und circa zwei Prozent der Achtzehnjährigen sind von nächtlichem Bettnässen betroffen.1 Die Ursachen für diese Gesundheitsstörung, der Enuresis nocturna, liegen in der Deregulierung der Harnbildung. Bei einem gesunden Menschen wird während des Schlafes die Harnbildung reguliert, indem der Körper die Substanz ADH (Vasopressin) produziert. ADH konzentriert den Urin, so dass nachts die Blase weniger Volumen fassen muss. Bei Bettnässern ist die Produktion dieser körpereigenen Substanz gestört bzw. noch nicht voll entwickelt und der ADH-Spiegel somit zu gering. Die volle Blase entleert sich unwillkürlich im Schlaf. Dabei kann gerade eine Therapie meist unmittelbar zu trockenen Nächten führen und den Kleinen und ihren Familien viel Leid ersparen. Durch Tabuisierung des Themas, falsche Scham und falschen Maßnahmen können Verhaltensstörungen der Betroffenen oft negative Folgeerscheinungen sein. „Daher ist es wichtig, in einem möglichst frühen Stadium einen Arzt aufzusuchen, um das Kind vor weiteren seelischen Belastungen zu schützen“, erklärt Dr. Irmingard Tichmann-Schumann. „Abwarten und gut gemeinte Ratschläge, wie beispielsweise Trinkverbote, führen erfahrungsgemäß nicht zu dem erwünschten Ziel.“ Es gibt gute Erfolg versprechende Therapiemöglichkeiten. Eine mögliche Methode ist das nächtliche Tragen einer Klingelhose, die viel Mitarbeit vom Kind erfordert und voraussetzt, dass weiterhin nächtliche Ruhestörungen in Kauf genommen werden müssen. Sobald die Klingelhose nass wird, ertönt ein Alarm, der das Kind wecken soll. Da bettnässende Kinder oftmals einen sehr tiefen Schlaf haben und nicht vom Alarm erwachen, sind hierbei die Eltern mitgefordert. Empfehlenswert ist die zusätzliche Führung eines Miktionskalenders, der durch das Einzeichnen einer Sonne die trockenen Nächte kennzeichnet und häufig eine sehr positive Auswirkung auf das Kind hat. Gute Erfolge sind auch in den letzten Jahren durch eine medikamentöse Behandlung mit dem Wirkstoff Desmopressin erzielt worden. Die Substanz ersetzt das fehlende körpereigene ADH und konzentriert so den nachts produzierten Urin. Das Medikament wirkt in der Regel mit der ersten Einnahme. Durch eine rechtzeitige Diagnose und der richtigen Behandlung kann den Betroffenen schnell geholfen werden und eine trockene Nacht wieder Alltag werden.

1 Quelle: www.enuresis-gruppe.de

   
   
   
   
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